Hamburg – Im Herzen des Stadtteils St. Georg sorgt die Kita Greifswalder Straße für Schlagzeilen. Die städtische Einrichtung, die von Elbkinder betrieben wird, hat eine außergewöhnliche Sicherheitsmaßnahme ergriffen, um sich gegen ungebetene Gäste zu schützen: Ein Teil des Außengeländes wurde mit NATO-Stacheldraht gesichert.
Ein brisantes Problem im Viertel
Die Entscheidung der Kita kommt nicht ohne Grund. In den vergangenen Monaten hat die Zunahme von Crack-Süchtigen in der Gegend rund um den Hansaplatz zu erheblichen Problemen geführt. Durch verstärkte Kontrollen und Verbote am nahegelegenen Hauptbahnhof wurden Drogenabhängige zunehmend in umliegende Straßen verdrängt – mit direkten Auswirkungen auf die Kita. Wiederholt drangen Personen unbefugt auf das Gelände ein, was sowohl das Sicherheitsempfinden der Kinder und Erzieher als auch die tatsächliche Sicherheit gefährdete.
„Wir mussten handeln, um die Kinder und das Personal zu schützen“, erklärt Anna Fuy, Teamleiterin der Unternehmenskommunikation von Elbkinder. „Die bisherigen Maßnahmen, wie die Erhöhung des Zauns, reichten nicht aus. Der Stacheldraht war eine präventive Notwendigkeit.“
Eine drastische Maßnahme
Die Absicherung betrifft ein etwa 25 Meter langes Zaunstück entlang des Kirchenwegs, das zuvor als Schwachstelle identifiziert wurde. Besonders ein Sicherungskasten, der leicht als Einstiegspunkt genutzt werden konnte, stellte eine große Sicherheitslücke dar. Mit der Anbringung von Stacheldraht möchte die Kita künftig unbefugtes Betreten verhindern.
Die Kita-Aufsicht der Stadt Hamburg hat die Maßnahme ausdrücklich unterstützt. „Der Schutz der Kinder hat oberste Priorität“, heißt es in einer Stellungnahme.
Politische Reaktionen: Kritik an der Stadtregierung
Die Sicherungsmaßnahme hat eine breite Diskussion über die Sicherheitslage in Hamburg ausgelöst. Dennis Thering, Fraktionsvorsitzender der CDU, kritisierte die rot-grüne Stadtregierung scharf: „Es ist ein Armutszeugnis für Hamburg, dass eine Kita auf NATO-Stacheldraht zurückgreifen muss, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. SPD und Grüne preisen ihre Sicherheitsmaßnahmen, aber die Realität sieht anders aus.“
Thering fordert den Senat auf, dringend umfassende Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation in St. Georg und anderen betroffenen Vierteln nachhaltig zu verbessern.
Die größere Frage: Wie geht es weiter?
Die Sicherheitsproblematik in St. Georg ist kein Einzelfall, sondern ein Spiegelbild der Herausforderungen, mit denen viele Großstädte konfrontiert sind. Während der NATO-Stacheldraht eine kurzfristige Lösung bietet, bleibt die Frage nach langfristigen Strategien zur Verbesserung der Situation.
Sozialpolitiker fordern neben einer verstärkten Polizeipräsenz auch Maßnahmen zur Bekämpfung der Ursachen, die viele Menschen in eine Drogenabhängigkeit treiben. „Wir dürfen nicht nur Symptome bekämpfen. Es geht auch darum, diesen Menschen Perspektiven und Unterstützung anzubieten“, so ein Sprecher einer lokalen Hilfsorganisation.
Mit ihrer Entscheidung hat die Kita Greifswalder Straße ein klares Signal gesetzt. Sie fordert die Stadt dazu auf, sich den Herausforderungen zu stellen und eine Balance zwischen Sicherheit und sozialer Verantwortung zu finden. Ob diese Sicherheitsmaßnahme als Symbol für ein größeres Versagen oder als notwendige Reaktion auf eine akute Bedrohung gesehen wird, bleibt eine Frage der Perspektive. Klar ist: Die Stadt muss handeln, um die Situation in den Griff zu bekommen – für die Kinder, für die Bewohner und für die Zukunft von St. Georg.
